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Dritter Sektor

Die Mitgliedsverbände von SAMARITAN INTERNATIONAL sind Teil der Organisationsformen des Dritten Sektors. Seine Vielfalt beruht auf den Traditionen und historisch gewachsenen Strukturen, die in den europäischen Mitgliedsstaaten in den Bereichen Soziales, Kultur, Umwelt und Sport entstanden sind. Nach der international vergleichenden Studie der John Hopkins Universität, Baltimore, USA, sind zum Nonprofit-Sektor all diejenigen Organisationen zu zählen, die formell strukturiert, organisatorisch unabhängig vom Staat und nicht gewinnorientiert sind sowie eigenständig verwaltet werden. Dabei sind zwei unterschiedliche Organisationsformen zu unterscheiden, und zwar zum einen Teilbereiche von Organisationen, die überwiegend soziale Dienstleistungen erbringen und damit Teil der Sozialwirtschaft sind und zum anderen, Teile von Organisationen, die als Themenanwälte, Pressure-Groups und Lobbys für soziale und gesellschaftliche Fragen agieren.


"Zwischen Markt und Staat" bedeutet dabei nicht, dass Nicht-Regierungsorganisationen und Nonprofit-Organisationen prinzipiell marktfern und staatsfrei agieren. Vielmehr übernimmt der Dritte Sektor gerade solche Aufgaben und Verantwortungen, die weder allein durch den Staat noch allein durch den Markt zu lösen sind. Aktivitäten "zwischen Markt und Staat" sind deshalb zumeist angewiesen auf Vermittlung zu öffentlichen Mitteln, öffentlicher Macht und öffentlicher Meinung. Der Auftrag sozialer Fürsorge und erst recht ein gesellschaftspolitisches Engagement für eine wohlfahrtsstaatliche Daseinsvorsorge machen es daher erforderlich, kritisch und konstruktiv auf die Verwaltung öffentlicher Mittel und auf die Ausübung öffentlicher Macht Einfluss zu nehmen. Dies bedeutet ordnungspolitisch die Verbindung der Prinzipien Solidarität und Subsidiarität. "Solidarität" meint dabei die Bereitschaft gemeinschaftlicher Anstrengung für andere bzw. für eine Gemeinschaft; "Subsidiarität" bezeichnet den unterstützungswürdigen Vorrang sozialer Nähe.


Das Spektrum der Organisationsformen im weiten Feld des Dritten Sektors reicht von Kooperativen und Gesellschaften auf Gegenseitigkeit über Selbsthilfeinitiativen, Vereine und Verbände bis hin zu Interessenvertretungen wie Gewerkschaften, Behindertenorganisationen etc. Ihnen gemeinsam ist, dass sie nicht profitorientiert sind.


Als Organisationen des Dritten Sektors zwischen Markt und Staat sind sie auf das Gemeinwohl ausgerichtet und von Menschen gleicher Lage oder gleichen Sinns gemeinsam getragen. Sie betreiben Lobbyarbeit für eine Sache oder für bestimmte Gruppierungen der Gesellschaft. Sie stehen für Selbsthilfe oder gegenseitige Solidar-Hilfe. Gerade für die Produktionsweise sozialer Dienstleistungen erweisen sich die Organisationsprinzipien gesellschaftlicher Selbstorganisation als besonders geeignet. Sie stellen ein bedeutendes, zunehmendes Beschäftigungspotenzial und damit auch einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar.


Heute gewinnt der Dritte Sektor neues Interesse als tragende Säule für das bürgerschaftliche Engagement in der Zivilgesellschaft. Erfreulich zu beobachten ist ein sich weitendes Feld neuer Aktivitäten von Selbsthilfegruppen, sozialen Aktionen und kulturellen Initiativen. Der dabei wirksame aktive Individualismus ist besonders zu würdigen im Gegensatz zu einem passiv machenden Individualisierungsprozess, der die Menschen immer mehr zu vereinzeln und zu vereinsamen droht. Gegenüber dieser sozialen Schwäche bedeuten die aktiven Felder freien Engagements eine wirksame Gegenmacht. Allerdings wird es immer schwieriger, breite Kreise für selbstorganisiertes Engagement zu gewinnen.


Die Bedeutung des "Dritten Sektors" selbstorganisierten Engagements in seiner prinzipiellen Verbindung von "Solidarität" und "Subsidiarität" wird heute neu bewusst auf dem Weg zu einem sozialen Europa: In den Verträgen von "Maastricht" ist der Begriff der "Subsidiarität" zu einem ordnungspolitischen Kernprinzip erklärt. Allerdings wird für eine öffentliche europäische Anerkennung der Selbstorganisation solidarischen Engagements noch zu streiten sein. So ist umstritten, ob die sozialwirtschaftlichen Aktivitäten der Wohlfahrtsverbände dem Marktmechanismus zu überlassen sind, oder ob nicht gerade solidarisches Handeln subsidiär zu fördern und zu schützen sein wird.


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