In der nach wie vor bestehenden Umbruchsituation zentral- und osteuropäischer Staaten droht bei der Neuentwickung von wirtschaftlichen und politischen Strukturen die Lage von alten, kranken und behinderten Menschen sowie von Kindern aus dem öffentlichen Blickfeld zu rücken. Es ist daher den Mitgliedsverbänden von SAMARITAN INTERNATIONAL ein besonderes Anliegen, diesen Bevölkerungsteilen, die in der Regel nicht über eine Lobby verfügen, die ihnen in der Auseinandersetzung über die gesellschaftliche Neuordnung ausreichend Gehör verschaffen könnte, mit sozialen Angeboten Hilfe zu leisten.
Aus diesem zivilgesellschaftlichen Engagement, das zunächst auf die Ausfüllung von Lücken im sozialen Sicherungssystem ausgerichtet ist, ist mit der Weiterentwicklung der nationalen sozialen Sicherungssysteme häufig eine neue Situation entstanden: Eine Reihe der Mitgliedsorganisationen von SAMARITAN INTERNATIONAL stellt nunmehr auch im Rahmen ihrer jeweiligen nationalen Systeme der sozialen Sicherung soziale Dienste zur Verfügung, die von einem besonderen Menschenbild geprägt sind.
Die nationalen Systeme der sozialen Sicherung werden jedoch ihrerseits mehr und mehr durch die Entwicklung der Europäischen Union beeinflusst. Die Gründung einer europäischen Wirtschafts- und Währungsunion mit den Verträgen von Maastricht und Amsterdam und die damit verbundene Einführung einer europäischen Währung führen die EU-Mitgliedsstaaten in allen Lebensbereichen immer enger zusammen. Zwar unterliegt auch nach Inkrafttreten des Vertrages von Amsterdam die Sozialpolitik und das Sozialrecht den Bestimmungen der jeweiligen Mitgliedsstaaten, dennoch ist auch in diesen Bereichen eine beginnende Europäisierung feststellbar. EU-rechtliche Rahmenbedingungen werden sich folglich auch auf die Bereitstellung sozialer Dienste auswirken und Fragen der Wettbewerbs- und der Niederlassungsfreiheit sowie der Ökonomisierung sozialer Dienste in naher Zukunft an Bedeutung gewinnen lassen. Dabei werden zukünftig die unterschiedlichen nationalen Systeme sozialer Sicherung miteinander in Konkurrenz treten. Mit dem Zusammenwachsen von Europa wird dabei auch das Verhältnis zwischen den öffentlich-rechtlichen Trägern sozialer Dienste sowie der Träger des 3.Sektors zum Markt neu definiert.
Im Sinne des "Observatorium für die Entwicklung der sozialen Dienste in Europa" werden soziale Dienste, die von öffentlichen, gemeinnützigen oder privatgewerblichen Organisationen angeboten werden, definiert als - Personenbezogene Dienstleistungen im Sinne zeitgleicher und ortsgebundener Interaktionsbeziehungen
- Soziale Dienstleistungen im Sinne beruflicher und ehrenamtlicher Handlungen
- Soziale Dienste im Sinne eines organisatorisch-institutionellen Handlungsrahmens
- Sozialleistungssystem des Wohlfahrtsstaates, einschl. Steuerungsmedien Recht und Geld.
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